top of page

Pinglin Tee-Garten in Taiwan

  • Autorenbild: Ravi
    Ravi
  • 28. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Dez. 2025


PINGLIN ORGANIC TEA FARM

Standort: Pinglin, New Taipei City, Taiwan

Höhe: 800 m

Kultivare: Rubi 18, Qing Xin, Jin Xuan


Nach etwa einer Stunde Fahrt südöstlich von Taipei verwandeln sich die bunten Lichter der Großstadt in ein sattes, beruhigendes Grün. Kein Ampelgepiepse mehr, keine dampfenden Garküchen an jeder Ecke. Stattdessen ziehen sanfte Nebelschwaden über moosgrüne Hügel und legen sich wie ein Schleier über die Teefelder.


Nach wenigen Minuten lichtet sich der Nebel. Wasserfälle kommen zum Vorschein, urwaldähnlich bewachsene Hänge tauchen auf. Innerhalb von Sekunden erwärmt die Sonne die Landschaft, Zikaden beginnen ihr zirpendes Konzert. Es liegt eine besondere Stimmung in der Luft – eine Mischung aus Regenwald und Bergregion. Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommt und wieder zu sich findet – nachdem einen das pulsierende Taipeh beinahe schwindelig gemacht hat.



Pinglin ist ein grüner District unweit von Taipei und eines der bekanntesten Teeanbaugebiete Taiwans. Hier treffen wir Peter Su von der Organic Tea Farm. Er ist Teefarmer in dritter Generation und hat sich vor einigen Jahren entschieden, konsequent auf biologischen Anbau umzustellen – kein leichtes Unterfangen in Taiwan. Bio-Tee wird hier oft belächelt: zu wenig Ertrag, angeblich weniger Geschmack. Peter Su sieht das anders – und will es uns zeigen.


Seine Farm liegt am Ende eines kleinen Tals und besteht aus mehreren Parzellen in unterschiedlichen Höhenlagen. Dazu gehören eine kleine eigene Teefabrik sowie das Wohnhaus, in dem er gemeinsam mit seiner Familie lebt. Produziert wird hier ein beeindruckendes Spektrum komplexer Tees: Oriental Beauty, Weißer Tee, Pouchong (Baozhong), Bi Lu Chun, Mi Xiang und viele mehr. Die hauptsächlich verwendeten Kultivare sind Qing Xin und Jin Xuan.



Je nach Jahreszeit, Wetterbedingungen und Nachfrage entscheidet der Teemeister, welcher Tee produziert wird – der klare Fokus liegt dabei auf Oolong.

Nach der Ernte werden die Teeblätter zunächst unter einem mit Netzen abgehängten Vordach zum Welken ausgelegt. Sie verlieren einen Teil ihrer Feuchtigkeit und werden geschmeidiger. Anschließend rotieren sie meist in großen Bambustrommeln – ein entscheidender Schritt für die Oolong-Produktion. Dabei werden die Blattränder sanft angeritzt, was die Oxidation und die Aromabildung fördert. Danach ruhen die Blätter auf runden Bambusmatten.


Alle paar Stunden prüft der Teemeister den Duft der Blätter und wirbelt sie elegant mit der Hand durch die Luft, um eine gleichmäßige Zirkulation und Oxidation zu gewährleisten. Peter Su erklärt uns, dass er – je nach Intensität und Höhe dieses Wirbelns – florale oder fruchtige Aromaprofile beeinflussen kann. Alles begleitet von ständigem Riechen, Prüfen und Intuition.


Je nach Tee variieren die nächsten Verarbeitungsschritte. Pouchong-Oolong wird nur minimal oxidiert und relativ früh gerollt und getrocknet. Dunklere Oolongs hingegen werden nach dem Rollen auf Bambusmatten zu kleinen Teehäufchen geschichtet und mit feuchten Tüchern abgedeckt. Die Dicke dieser Schichtung beeinflusst maßgeblich das Aroma – von floral-leicht bis tief fruchtig. Regelmäßig misst Peter Su die Kerntemperatur dieser „Teekuchen“, während sie ruhig vor sich hin oxidieren.



Nach der Führung durch die Teefabrik zeigt er uns seine Felder. Die Parzellen liegen verstreut in der umliegenden Region und sind vollständig von intaktem Regenwald umgeben. Zwischen den Teepflanzen bleibt bewusst viel Raum für andere Pflanzenarten. Für Peter ist ein funktionierendes Ökosystem der Schlüssel zu echtem Bio-Tee: Wo das natürliche Gleichgewicht stimmt, braucht es weder Dünger noch Pestizide. Die Natur reguliert sich selbst – im eigenen Kreislauf.



Nach einem kurzen Spaziergang durch die Mittagshitze folgt das Tee-Tasting. Wir probieren uns durch verschiedene Tees: Baozhong/Pouchong, Oriental Beauty, Dark Pearl Oolong. Die Aromen reichen von mild-blumig bis kräftig geröstet mit tiefer, langanhaltender Süße.


Unsere Favoriten:

  • Der Pouchong – cremig, mild, mit Anklängen von Jasmin und Vanille.


  • Der mittelgeröstete GABA-Oolong – brotig-süß wie Roggenkruste, mit fruchtigem Nachhall von Steinobst.


  • Und dann das Ruby-Kultivar – eine Kreuzung aus der ursprünglichen Camellia Formosa und einem burmesischen Kultivar. Der daraus produzierte Weiße Tee explodiert förmlich vor exotischer Fruchtigkeit.


Wir sind begeistert – und wissen: Genau solche Tees wollen wir mit euch teilen.



Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Pergament-1920.jpg

❝Die Kanne sei rund und prall wie der Bauch des sitzenden Buddha. Nur so kann das empfindliche Pflänzchen sein volles Aroma entfalten.❞

- Chinesisches Sprichwort -

bottom of page