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Taiwan – Eine Reise durch Tee, Zeit und Kultur

  • Autorenbild: Ravi
    Ravi
  • 3. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

In Taiwan ist Tee kein Getränk für zwischendurch. Er ist Ausdruck von Herkunft, Handwerk und Haltung. Unsere Reise führte uns hierher, auf der Suche nach besonderen Tees für unseren Online-Shop – und zugleich nach einem tieferen Verständnis für Tee, seinen Ursprung und die Kultur, die ihn umgibt.


Wir wollten nicht nur auswählen, sondern begreifen. Nicht nur verkosten, sondern lernen. Denn ein Tee ist mehr als sein Geschmack: Er erzählt von Landschaft, Klima, Jahreszeit und den Menschen, die ihn herstellen. Dieses Wissen wollten wir mitnehmen – als Grundlage für jede Entscheidung, welchen Tee wir weitergeben.



Tee als Kultur – nicht als Konsum

Tee wird in Taiwan ähnlich wie Wein in Europa verstanden. Man spricht über Lage, Jahrgang, Kultivar, Oxidation und Röstung. Ein Tee entfaltet sich über viele Aufgüsse hinweg, verändert Charakter, Textur und Aroma. Mehrfachaufgüsse sind selbstverständlich – sie gehören zur Qualität eines Tees.


In traditionellen wie modernen Teehäusern erhält jede Person ihr eigenes Teeset: Gaiwan oder Kanne, kleine Schalen, oft ergänzt durch Duftbecher. Man gießt selbst auf, bestimmt Intensität und Tempo. Gespräche entstehen zwischen den Aufgüssen, Pausen sind Teil des Rituals. Tee schafft Raum – für Aufmerksamkeit, für Austausch, für Stille.




Taipeh – Ursprung, Geschichte und zeitgenössische Teehäuser

Unsere Reise begann in Taipeh, genauer im historischen Viertel Dadaocheng. Hier nahm Taiwans Teehandel im 19. Jahrhundert seinen Anfang. Von diesen Straßen aus wurde Oolong in die Welt exportiert. Noch heute prägen alte Handelshäuser und Lagergebäude das Viertel – viele davon beherbergen inzwischen moderne Teehäuser.


Taipeh zeigt, wie lebendig Teekultur sein kann. Zwischen Tradition und zeitgenössischem Design entstehen Orte, an denen Tee verkostet wird – nicht serviert.


Wang Tea Lab steht für einen modernen, neugierigen Zugang. Tee wird hier analytisch betrachtet, sortenrein präsentiert und bewusst erklärt. Ein Ort für alle, die Tee verstehen wollen.


Ganz anders, aber ebenso eindrucksvoll, ist das Qingtian Tea House. Viel Holz, offene Räume, sanftes Licht und üppiges Grün prägen die Atmosphäre. Pflanzen sind hier Teil des Raums, nicht Dekoration. Das Teehaus wirkt wie ein Rückzugsort mitten in der Stadt – reduziert, ruhig, konzentriert. Tee und Umgebung verschmelzen zu einem einzigen Erlebnis.




Maokong – Teeberge vor der Stadt

Ein Tagesausflug führte uns nach Maokong, ein traditionsreiches Teeanbaugebiet südlich von Taipeh. Seit der Qing-Dynastie wird hier Tee kultiviert, vor allem Tie Guan Yin und Longjing-Style Tees. Nebel, Höhenlage und feuchte Luft prägen den Charakter der Tees.


Maokong ist bekannt für seine Teehäuser mit Blick ins Tal. Abseits der touristischen Pfade fanden wir schlichte, familiengeführte Orte, an denen Tee langsam aufgegossen wird – begleitet von Stille, Wind und Aussicht.




Yingge – Die Gefäße des Tees

In Yingge, dem Zentrum der taiwanesischen Keramik, wird klar: Teekultur endet nicht beim Blatt. Seit über 200 Jahren entstehen hier Teekannen, Schalen und Gaiwane. Material, Brennung und Form beeinflussen Geschmack, Textur und Wärme – und damit das gesamte Teeerlebnis.


Keramik und Tee sind in Taiwan untrennbar verbunden. In Yingge wird dieses Wissen bewahrt und weiterentwickelt – in traditionellen Werkstätten ebenso wie in modernen Ateliers.



Hochland & Kultivare – Geschmack der Landschaft

Im Hochland, rund um Lishan, wachsen besonders feine Oolongs. Kühles Klima, langsames Wachstum und Nebel sorgen für elegante, klare Tees. Weiter südlich, am Sun Moon Lake, begegneten wir einem der außergewöhnlichsten Tees Taiwans: Ruby 18. Dieses Schwarztee-Kultivar – eine Kreuzung aus Camellia formosensis und einer burmesischen Pflanze – wird fast ausschließlich hier angebaut. Intensiv, würzig, fruchtig und tief.




Alishan & Shan Lin Xi – Hochland als Haltung

Unsere Reise führte uns weiter nach Alishan und Shanlinxi. Von Zhulu aus erkundeten wir diese Regionen zu Fuß, besuchten Farmen und Teehäuser. High Mountain Oolong wächst hier über 1.000 Meter Höhe. Die Tees sind weich, floral, cremig – geprägt von Langsamkeit.


Hier wird deutlich: Hochlandtee ist keine Stilrichtung, sondern eine Haltung. Geduld, Beobachtung und Respekt vor der Natur bestimmen den Charakter.




Regionen verstehen – Tee lesen lernen

Beim nationalen Teefestival im BeauTeaSpace vertieften wir unser Verständnis für Taiwans Tee-Landkarte:

Jede Region, jeder Stil ist ein Ausdruck von Landschaft und Kultur.



Tee verstehen heißt Ursprung kennen

Je länger wir unterwegs waren, desto klarer wurde uns: Tee lässt sich nicht trennen von seinem Kontext. Wer Tee auswählt, übernimmt Verantwortung – für Herkunft, Handwerk und Erzählung. Unsere Begegnungen in Teehäusern, auf Farmen und in den Bergen haben unseren Blick geschärft und unseren Geschmack verfeinert.


Die Tees, die wir für unseren Shop suchen, müssen nicht laut sein. Aber sie müssen lesbar sein. Man muss verstehen können, woher sie kommen und warum sie genau so schmecken, wie sie schmecken.


Taiwan haben wir nicht nur bereist.

Wir haben gelernt, ihm zuzuhören –

und diese Erfahrung fließt in jeden Tee,

den wir für euch auswählen.



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Pergament-1920.jpg

❝Die Kanne sei rund und prall wie der Bauch des sitzenden Buddha. Nur so kann das empfindliche Pflänzchen sein volles Aroma entfalten.❞

- Chinesisches Sprichwort -

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